Hinweis – Das Gründungsprojekt Condify wurde im Mai 2015 eingestellt. In diesem Artikel stelle ich das Projekt vor und schildere zum Schluss die Gründe, die zur Einstellung von Condify geführt haben.

Heute ist schnelle und einfache Zusammenarbeit in der “Cloud” problemlos möglich. Dort gibt es eine immense Auswahl an spannenden Angeboten. Sie reichen von der gemeinsamen Arbeit an Office-Dokumenten, dem Austausch von Dateien und dem Hosting von Repositories bis hin zu Team-Chats, Aufgabenverwaltungen und CRM-Lösungen. Nutzer und Unternehmen lieben die Cloud, denn sie bringt viele Vorteile. Um Installation, Wartung und Support von Anwendungen muss sich oft nicht mehr gekümmert werden, da dieses zentral durch den Anbieter der jeweiligen Lösung erledigt wird. Das führt zu einer starken Entlastung der unternehmenseigenen IT und in deren Folge zu einer Kostenersparnis.

Das große Problem der Cloud ist das Vertrauen. Denn wenn ein Unternehmen seine Anwendungen, aus dem Unternehmen auf die Server eines Cloud-Anbieters verlagert, ziehen meist auch vertrauliche Daten um. Deshalb ist für den Erfolg einer Cloud-Lösung nicht nur die Softwarequalität entscheidend, sondern auch, ob die Nutzer dem Anbieter der Lösung vertrauen. Im Zuge des Überwachungsskandals im Jahr 2013 hat die Cloud einen großen Vertrauensverlust erlitten. Deshalb werden nun wieder “On Premise”-Lösungen bzw. die “Private Cloud” populärer, wo Anwendungen im eigenen Unternehmen oder bei einem IT-Dienstleister des Vertrauens gehostet werden. Diese Art der Cloud ist aber für kleine Unternehmen, Selbständige oder private Nutzer nicht erschwinglich, so dass diese weiterhin auf die großen Cloud-Angebote angewiesen bleiben.

Die sichere Cloud

Sichere Cloud

Mit Hilfe aktueller Verschlüsselungsverfahren und einem eigens entwickelten Verschlüsselungskonzept verfolgten mein Gründungspartner Joshua Trees und ich das Ziel der Entwicklung einer sicheren Cloud. Obwohl das auf den ersten Blick wie ein Widerspruch klingen mag, ließen wir uns davon nicht entmutigen.

Ziel war es ein Angebot zu schaffen, bei dem die Daten, wie bei einer “On Premise”-Lösung, vor unbefugten Zugriff geschützt sind, das aber dennoch alle Vorteile herkömmlicher Cloud-Lösungen (keine Installation / Wartung, Support und Verfügbarkeit) bietet. Deshalb galt als Grundprinzip unserer technischen Umsetzung, dass Daten grundsätzlich nur auf den Computern von Nutzern verarbeitet werden können, die zum Zugriff auf diese Daten berechtigt sind. Die Speicherung und der Austausch der Daten zwischen den Nutzern sollte anschließend verschlüsselt über unsere Server erfolgen. Bisher gibt es nur wenige Cloud-Angebote, die eine ähnliche Technologie einsetzen. Edward Snowden prägte in Verbindung mit dem Speicherdienst Spideroak den Begriff “Zero Knowledge” zur Beschreibung solcher Angebote.

Geschäftsmodell

Allerdings garantiert eine spannende Technologie nicht, dass man mit dieser auch Geld verdienen kann. Letzteres ist aber entscheidend für den Erfolg eines jungen Unternehmens. Glücklicherweise wurden wir von Februar 2014 bis Mai 2015 durch das Bremer Förderprogramm für Unternehmensgründungen (BRUT) gefördert, in welchem wir neben einer finanziellen Unterstützung auch eine unternehmerische Basisqualifikation erhielten, was uns half ein Geschäftsmodell zu entwickeln.

Wir entschieden uns unsere Technologie in einer nützlichen Dienstleistung für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) zu verpacken. Dieses war eine Kommunikationsdienstleistung zur sicheren, vertraulichen innerbetrieblichen und externen Kommunikation. Wir waren überzeugt, dass viele KMUs nach einer einfach benutzbaren und sicheren Lösung für ihre innerbetriebliche Kommunikation suchen, da wir der Meinung waren, dass bestehende Lösungen (insbesondere zur E-Mail-Verschlüsselung) zu kompliziert zu benutzen sind und daher kaum eingesetzt werden.

Herausforderungen

Während der Entwicklungsarbeit und der Ausarbeitung des Geschäftsmodells in einem Businessplan machten wir uns auch auf die Suche nach möglichen Pilotkunden. Doch dabei wurden viele Herausforderungen für uns ersichtlich, die sich aus unserem Geschäftsmodell ergaben und uns bei der Suche nach Kunden behinderten. Die drei wichtigsten waren:

  • Keine ersichtliche Sicherheit – Da sich die Sicherheitsmechanismen in unserem Produkt komplett im Hintergrund hielten, war es für den Nutzer nicht ersichtlich, warum sich unsere Lösung grundlegend von anderen Produkten unterscheidet.

  • Keine absehbaren wirtschaftlichen Vorteile – Wirtschaftliche Schäden durch mangelnde Verschlüsslung bei der geschäftlichen Kommunikation sind schwer zu beziffern. Unsere Kunden hätten keinen direkten Vorteil durch den Einsatz von Condify gespürt.

  • Eigenständige Lösung statt Erweiterung – Da unser Produkt eine eigenständige Lösung zur Unternehmeskommunikation war, musste es mit existieren Lösungen aus diesem Bereich konkurrieren. Unser Alleinstellungsmerkmal – die Sicherheit – konnte allerdings unseren Rückstand bei den Features gegenüber etablierten Lösungen nicht ausgleichen. Besser wäre eine Erweiterung gewesen, die die Sicherheit bestehender System verbessert hätte. Außerdem entwickelten wir streng genommen zwei Produkte: die Sicherheitsmechanismen und die Kommunikationsanwendung.

Was wir gelernt haben

Ein Startup ist ein sehr kleines Unternehmen mit stark begrenzten Ressourcen – finanziell und personell. Aus diesem Grund ist es wichtig bereits zu Beginn eines Gründungsprojekts eine konkrete Produktidee zu besitzen und Ansätze eines dazu passendes Geschäftsmodells zu kennen.

Produkt und Geschäftsmodell werden sich während der Gründung laufend weiterentwickeln. Immens vorteilhaft ist es, wenn beides so verständlich und unkompliziert wie möglich ist. Meiner Meinung nach bedeutet der oft zitierte Ausspruch “Think big!” nicht, dass man sich ein großes komplexes Projekt zu erträumen soll, sondern dass man erkennen sollte, welche großen neuen Möglichkeiten sich durch den Erfolg eines ersten kleinen Projekt ergeben können.

Eines der größten Risiken eines Startups ist, dass das eigene Produkt von den Kunden nicht angenommen wird, wie es bei Condify der Fall war. Daher ist es essentiell wichtig so früh wie möglich zu testen, ob die angenommene Nachfrage tatsächlich besteht. Nach dem Lesen des Buches “The Lean Startup” von Eric Ries war ich begeistert von der dort geschilderten Idee des Minimum Viable Product” (MVP).

Ein solches MVP besitzt nur die Kernfunktionen des späteren Produkts und dient vor allem der Erprobung durch eine kleine Teilmenge der späteren Kunden. Durch das dabei gesammelte Kundenfeedback ergeben sich gleich mehrere Vorteile für das eigene Startup:

  • Ein schneller erster Markteintritt ist mit dem MVP geschafft. Man erhält ein erstes Kundenfeedback, welches wertvoll für die weitere Produktentwicklung ist und hilft Annahmen zu überprüfen, auf denen das eigene Geschäftsmodell basiert.

  • Dank des MVP kann der Vertrieb bereits während der Produktentwicklung beginnen. Den Kunden können am Beispiel des MVP die Vorteile der eigenen Lösung frühzeitig demonstriert werden.

  • Die Suche nach Geldgebern wird erleichtert, da man ggf. bereits über Daten verfügt, die den Erfolg des eigenen Unternehmen bestätigen.

Fazit

Obwohl unser Startup gescheitert ist, bereuen wir diese Erfahrung nicht. Die Zeit mit Condify war extrem spannend und hat uns laufend vor neue Herausforderungen gestellt, die zu meistern waren. Gerade Letztere haben immer wieder erfordert die eigene “Komfortzone” zu verlassen, was auch zu unserer persönlichen Weiterentwicklung immens beigetragen hat.

Wegen dieser sehr positiven Erfahrungen kann ich nur empfehlen eigene Startup-Erfahrungen zu sammeln. Ich persönlich habe fest vor ein zweites Mal das Abenteuer “Startup” zu wagen.