Seit Beginn der Flüchtlingskrise wird über vieles diskutiert, auch über die die Ausstattung von Unterkünften. Klar ist, diese müssen das Nötigste zum Leben bieten, Schutz vor Wetter und Kälte, Nahrung und medizinische Versorgung — aber auch Internet? Auf den ersten Blick scheint dieses nicht notwendig.

Doch heute ist unser Alltag von der Digitalisierung geprägt. Ohne Zugang zum Internet sind wir von unserer Umwelt merklich isoliert. Wir streamen Musik, TV-Serien und Filme, speichern wichtige Daten in der Cloud, tauschen uns über Soziale Netzwerke aus und informieren uns online. Auch Flüchtlinge, die uns in diesen Tagen erreichen oder bereits angekommen sind, haben das Bedürfnis nach einem Internetzugang.

Ende 2015 wurde in meinem Stadtteil eine Zeltunterkunft eröffnet. Sie bietet Platz für 420 Bewohner, besteht aus drei großen Zelten und Containern für sanitäre Anlagen und Büros. Bei einem Besuch erfuhr ich, dass die Unterkunftsleitung über keinen stabilen Internetzugang verfügte. Dieser war per Mobilfunk realisiert und der Empfang war innerhalb der Container nicht sehr gut. Ich hatte Kontakt zu einem lokalen Internetanbieter und fragte spontan wegen eines Anschlusses an. Kurz darauf installierte das Unternehmen kostenfrei eine Richtfunkverbindung und die Unterkunft war mit einer Bandbreite von 100 Mbit/s angebunden.

Nun lag es nahe auch den Bewohnern einen Zugang zu ermöglichen. Viele besitzen bereits ein Smartphone und können es zum Surfen im Web verwenden. Als Informatikstudent hatte ich das nötige Fachwissen, um mit der Planung eines WLAN zu beginnen. Ich begeisterte einen Kommilitonen für das Projekt und ein Unternehmen aus der Nachbarschaft der Unterkunft spendete die benötigte Hardware. Bei der Installation unterstützen uns Angehörige der Bundeswehr, die im Rahmen der Flüchtlingshilfe vor Ort waren.

Vor kurzem, erhielt ich einen Anruf. Es gäbe ein Problem mit dem WLAN, wurde mir mitgeteilt. Am Abend besuchte ich die Unterkunft. Auf einem Access-Point war ein Softwarefehler aufgetreten. Ein Neustart des Gerätes sorgte für Abhilfe. Gerade war das Abendessen in der Unterkunft vorüber und viele Bewohner saßen noch im Essenbereich, der etwa Platz für 150 Menschen bietet. Einige waren in Gesprächen via Skype vertieft, andere schrieben Kurznachrichten oder waren in Sozialen Netzwerken unterwegs. Später sah ich, dass in diesen Abendstunden durchschnittlich 20 Mbit/s übertragen wurden.

Dieser Besuch machte es mir noch deutlicher, wie wichtig Internet für Geflüchtete ist. Von vielen Kontakten abgeschnitten haben Flüchtlinge kaum Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe. Dazu müssen sie sich mit einer fremden Sprache, dem Asylrecht und Behördengängen auseinandersetzen. In dieser Situation ist nicht nur der Kontakt zu Verwandten und Bekannten wichtig, sondern auch der Zugang zu Informationen wie Gesetzen, Übersetzungen und Nachrichten. Ich hoffe, dass ein Internetzugang bald zur Standardausstattung einer jeden Flüchtlingsunterkunft gehört.